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Author: Integrationsrat Tübingen

Pressemitteilung: Plakataktion des Integrationsrats Tübingen zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus – zahlreiche Plakate beschädigt oder verschwunden

25.03.2026. Pressemitteilung: Plakataktion des Integrationsrats Tübingen zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus – zahlreiche Plakate beschädigt oder verschwunden

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus hat der Integrationsrat Tübingen eine öffentliche Plakataktion durchgeführt. Ziel der Aktion war es, ein sichtbares Zeichen für eine vielfältige Gesellschaft und gegen Rassismus im Stadtbild zu setzen.

Hierfür wurden rund 50 wetterfeste Kunststoff-Plakate mit Botschaften für Zusammenhalt, Respekt und Vielfalt gestaltet und – nach vorheriger Abstimmung mit der Stadt Tübingen – mit dem offiziellen Logo des Integrationsrats an öffentlichen Sitzbänken in der Innenstadt (beispielsweise auf der Neckarinsel, beim Nonnenhaus, am Haagtor, bei der Stadtbibliothek, beim. Spielplatz bei der Kichererbse), auf WHO, im Sand, in Lustnau sowie an weiteren Orten angebracht.

Auf den Plakaten waren unter anderem folgende Aussagen zu lesen:

  • „Vielfalt ist kein Problem. Rassismus schon.“
  • „Hier ist kein Platz für Rassismus.“
  • „Es gibt keine Fremden, nur Freunde, denen wir noch nicht begegnet sind.“ (Irisches Sprichwort nach William Butler Yeats)
  • „Weich ist stärker als hart, Wasser stärker als Fels, Liebe stärker als Gewalt.“ (Hermann Hesse)
  • „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“ (Dschalal ad-Din al-Rumi) 

Mit großer Irritation, Fassungslosigkeit und Überraschung musste der Integrationsrat jedoch feststellen, dass bereits über Nacht etwa die Hälfte der angebrachten Plakate beschädigt, abgerissen oder unerklärlich verschwunden ist.

Nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt wurde bestätigt, dass die Entfernung der Plakate nicht durch die Kommunale Servicestelle Tübingen (KST) erfolgt ist. Der Integrationsrat hat daher Anzeige bei der Polizei erstattet. Das Verfahren wird an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Dem Integrationsrat ist besonders wichtig, dass diese Vorfälle in die polizeilichen Statistiken aufgenommen werden.

Der Integrationsrat Tübingen bedauert die Zerstörung der Aktion sehr. Gleichzeitig bekräftigt er sein Engagement für ein respektvolles Miteinander und eine offene, vielfältige Stadtgesellschaft.

Severine Rauch Kömür Deveci 

Cevat Tipieser 

i.A. Integrationsrat Tübingen

Internationale Wochen gegen Rassismus 2026: Plakataktion „Hier ist kein Platz für Rassismus“ (16.03.2026)

Internationale Wochen gegen Rassismus 2026: Plakataktion „Hier ist kein Platz für Rassismus“ (16.03.2026)

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus hat der Integrationsrat Tübingen eine öffentliche Plakataktion durchgeführt. Ziel der Aktion war es, ein sichtbares Zeichen für eine vielfältige Gesellschaft und gegen Rassismus im Stadtbild zu setzen.

Hierfür wurden rund 50 wetterfeste Kunststoff-Plakate mit Botschaften für Zusammenhalt, Respekt und Vielfalt gestaltet und an öffentlichen Sitzbänken in der Innenstadt (beispielsweise auf der Neckarinsel, beim Nonnenhaus, am Haagtor, bei der Stadtbibliothek, beim. Spielplatz bei der Kichererbse), auf WHO, im Sand, in Lustnau sowie an weiteren Orten angebracht.

Auf den Plakaten waren unter anderem folgende Aussagen zu lesen:

  • „Vielfalt ist kein Problem. Rassismus schon.“
  • „Hier ist kein Platz für Rassismus.“
  • „Es gibt keine Fremden, nur Freunde, denen wir noch nicht begegnet sind.“ (Irisches Sprichwort nach William Butler Yeats)
  • „Weich ist stärker als hart, Wasser stärker als Fels, Liebe stärker als Gewalt.“ (Hermann Hesse)
  • „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“ (Dschalal ad-Din al-Rumi) 

Leider wurden bereits über Nacht etwa die Hälfte der angebrachten Plakate beschädigt, abgerissen oder unerklärlich verschwunden. Der Integrationsrat hat Anzeige bei der Polizei erstattet.

Internationale Wochen gegen Rassismus

Zur rassistischen Zutrittsverweigerung am 04. April im Club „Frau Holle“

Stellungnahme des Integrationsrats

04.07.2025

Der Integrationsrat der Stadt Tübingen verurteilt aufs Schärfste die rassistischen Ereignisse im Club „Frau Holle“, bei denen Schwarzen Männern aufgrund ihrer Hautfarbe der Zutritt verweigert wurde. Durch die Berichterstattung des Tagblatts vom 23. Mai wurde bestätigt, was Betroffene bereits lange anprangern: eine klare Diskriminierung, bei der die Hautfarbe als Ausschlusskriterium diente.

Der Vorfall offenbart mehrere gravierende Probleme unserer Gesellschaft. Rassismus ist für viele Menschen in Tübingen trauriger Alltag. Aktuelle Studien, beispielsweise der Monitoringbericht des Nationalen Diskriminierungs- & Rassismusmonitors (NaDiRa) belegen, dass rassistische Diskriminierung in allen Lebensbereichen stattfindet. In der Arbeitswelt, im Bildungssystem, bei Behörden und eben auch in der Freizeitgestaltung.[1]

Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass entsprechende Gerüchte zur Türpolitik über den Club „Frau Holle“ bereits im Umlauf waren, bevor der Versuch durch die Antidiskriminierungsstelle (Adis) und das Tagblatt am 04. April stattgefunden hat.[2] Dies zeigt das grundlegende Problem: Betroffene werden oft erst ernst genommen, wenn Dritte die Diskriminierung bezeugen.

Die Reaktionen auf solche Vorfälle sind häufig enttäuschend. Statt Empathie und Aufarbeitung erleben Betroffene Relativierung und Abwehr. Dabei belegen Studien, dass rassistische Einstellungen in weiten Teilen der Gesellschaft verbreitet sind.[3] Die Folgen für die von Rassismus betroffenen Menschen sind schwerwiegend und reichen von psychischen Belastungen bis hin zum Vertrauensverlust in gesellschaftliche Institutionen.

Rassismus ist jedoch kein Problem einzelner Gruppen, er durchzieht die gesamtgesellschaftlichen Strukturen. Damit ist Rassismus eine Gefahr für unsere gesamte Gesellschaft. Er untergräbt unsere demokratischen Grundwerte und den sozialen Zusammenhalt.

Menschenrechte und Gleichberechtigung dürfen keine leeren Versprechungen bleiben, sondern müssen gelebt werden. Der Vorfall fordert uns also alle zur Selbstreflexion auf. Wie oft haben wir selbst bereits Situationen miterlebt und nicht (richtig) eingeordnet?

Wichtig ist jetzt ein entschlossenes Vorgehen. Die Ankündigung der beiden Club-Betreiber, Maßnahmen zu ergreifen, begrüßen wir als ersten Schritt. Nun müssen Taten folgen. Wir fordern eine konsequente Aufarbeitung sowie nachhaltige Schulungen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Clubs.

Als Integrationsrat rufen wir alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich aktiv gegen Rassismus einzusetzen. Nur durch gemeinsames Handeln können wir eine Stadt schaffen, in der sich alle Menschen unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Religion und weiteren Diskriminierungsmerkmalen willkommen fühlen.

Hintergrundinformation: Der Integrationsrat berät den Gemeinderat und die Stadtverwaltung bei Themen, die Menschen mit Migrationshintergrund betreffen, und bei integrationspolitischen Fragen. Neben zwölf sachkundigen Einwohnerinnen und Einwohnern gehören dem Rat Mitglieder des Gemeinderats (ihre Zahl entspricht der Anzahl der Fraktionen im Gemeinderat), sowie eine Vertretung des Jugendgemeinderats und die Leitung der Stabsstelle für Gleichstellung und Integration an.

Der Integrationsrat Tübingen


[1] Monitoringbericht 2025: https://www.rassismusmonitor.de/fileadmin/user_upload/NaDiRa/Publikationen/Verborgene_Muster_Monitoringbericht/NaDiRa_Monitoringbericht_2025_FINAL__1_.pdf (aufgerufen am 08.06.25)

[2] Ein ähnlicher Versuch wurde 2011 durch Studierende in Leipzig durchgeführt. Im Nachgang wurden mehrere Gerichtsverfahren anhängig. https://www.l-iz.de/politik/engagement/2012/04/Rassistische-Einlasskontrollen-Betroffene-ziehen-vor-Gericht-41347; https://www.jetzt.de/jetztgedruckt/diskriminierung-an-der-clubtuer-561544 (aufgerufen am 08.06.2025).

Bezugnehmend auf diese Vorfälle ist 2015 ein Flyer zu „Rassismus an der Clubtür“ durch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes erschienen. https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/Flyer/diskotheken_20150522.pdf?__blob=publicationFile&v=3 (aufgerufen am 08.06.2025).

[3] Mehr als ein Fünftel der deutschen Gesamtbevölkerung hat rassistische Einstellungen: https://www.rassismusmonitor.de/fileadmin/user_upload/NaDiRa/Publikationen/Verborgene_Muster_Monitoringbericht/Pressemitteilung_Monitoringbericht.pdf (aufgerufen am 08.06.2025).

In stillem Gedenken an Rudi Hurlebaus

19.04.2024 – Podiumsdiskussion zur GR-Wahl – Foto: Deniz-O. Tekin

In stillem Gedenken

Rudi Hurlebaus
Mitglied des Integrationsrats Tübingen

In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Rudi Hurlebaus, der am 18.06.2025 von uns gegangen ist.
Als langjähriges Mitglied des Integrationsrats Tübingen hat er sich mit großem Engagement, Herz und Weitblick für ein respektvolles Zusammenleben in unserer Stadt eingesetzt.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.

Integrationsrat Tübingen

Tagblatt – Mittwochspalte (04.06.2025)

Tagblatt – Mittwochspalte: „Probleme bei der Ausbildung von Ukrainern im Ausland“ (04.06.2025)

Viktoriya Motorna

Etwa 8 Millionen Ukrainer als Flüchtlinge leben in verschiedenen Ländern der Welt. Im Falle einer Beendigung des Krieges mit Russland planen viele von ihnen immer noch, in die Ukraine zurückzukehren. Sie bleiben Bürger der Ukraine, und deshalb sind die ukrainischen Regierungsbeamten verpflichtet, sich um sie zu kümmern. Ein großer Teil der Flüchtlinge, etwa 800.000, sind Kinder aller Altersgruppen. Ihre Zahl nimmt jedes Jahr zu. Eine beträchtliche Anzahl von Flüchtlingen hat in Deutschland Schutz gefunden, wo Behörden auf verschiedenen Ebenen, darunter und die Stadt Die Behörden auf verschiedenen Ebenen, darunter auch die Stadt Tübingen, tun viel dafür, dass sich die Kinder nicht diskriminiert fühlen, finanziell abgesichert sind, Kindergärten und Schulen besuchen, studieren und arbeiten. Mit der Zeit gewöhnen sich die Flüchtlinge an ihr neues soziales Leben.
Daher wird es immer schwieriger, Kinder in die Ukraine zurückzubringen. Sie gewöhnen sich an die lokale Kultur, Sprache, Gewohnheiten und Regeln des Zusammenlebens.
Der Punkt ist, dass das Ministerium für Kultur und strategische Kommunikation der Ukraine und letztlich das Ministerium für nationale Einheit der Ukraine bei der Erziehung ukrainischer Kinder im Ausland kaum eine Rolle spielen. Wenn zum Beispiel die Eltern ihrem Kind das Lesen auf Ukrainisch beibringen können, sollte es eine ausreichende Anzahl von Büchern und anderen interessanten Medien geben, einschließlich elektronischer Medien, um das Bedürfnis des Kindes danach zu unterstützen: Zeichentrickfilme, Filme, Konzerte usw.
Stellen wir uns vor, dass eine Familie mit Schulkindern in die Ukraine zurückgekehrt ist und die Kinder zur Schule gehen müssen. Unweigerlich werden sie mit dem Problem konfrontiert, den Lehrplan der Schule anpassen zu müssen. Es ist bekannt, dass sich der Lehrplan in Deutschland erheblich von dem in der Ukraine unterscheidet.
Ein weiteres Problem ist, dass die Kinder weder die ukrainische Rechtschreibung noch die Geschichte der Ukraine kennen werden. Dieses Problem wurde im Ausland wiederholt hervorgehoben. Gleichzeitig gibt es sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern eine große Zahl von Lehrern, darunter auch Flüchtlinge aus der Ukraine. Es besteht kein Zweifel daran, dass sie gerne ihre Fähigkeiten verbessern würden und die ukrainische Sprache oder Geschichte in Schulen, Gymnasien und Universitäten unterrichten könnten. Daher sollten die zuständigen Ministerien in der Ukraine unverzüglich und aktiv mit den lokalen Behörden in verschiedenen Ländern und Aktivisten zusammenarbeiten, um das Problem mit Beginn des Schuljahres – ab September 2025 – zu lösen.
Die ukrainischen Behörden sollten daher unverzüglich wirksame Maßnahmen ergreifen, um die patriotische, pro-ukrainische Erziehung der künftigen Generation zu unterstützen. Es besteht kein Zweifel, dass die Behörden im Ausland dazu beitragen werden. Schließlich haben die Ukrainer bewiesen, dass sie fleißige, disziplinierte und gut erzogene Bürger sind.

Viktoriya Motorna (Integrationsrat Tübingen)

Tagblatt – Mittwochspalte (18.03.2025)

Tagblatt – Mittwochspalte: „Die Arbeit des Integrationsrats“ (18.03.2025)

Cevat Tipieser

Der neue Integrationsrat (IR) hatte gestern seine konstruierende Sitzung. Deshalb lohnt sich heute der Blick auf die Arbeit und Ziele des Rates. Das Gremium feierte 2024 sein 10jähriges Bestehen. 10 Jahre, in denen er sich als unverzichtbare Stimme für Menschen mit Migrationsgeschichte etabliert hat.

Wie der Wahlkampf gezeigt hat, steht Migration im Zentrum politischer und gesellschaftlicher Debatten. Hass und Hetze beeinflussen die Stimmung überall. Populistische Kräfte gewinnen europaweit an Einfluss und rassistische Übergriffe nehmen zu. Die Förderung von Integration ist eine klare Absage an Spaltung und Ausgrenzung. Der Rat positioniert sich deutlich gegen diese Entwicklungen, um Grundwerte der Demokratie zu verteidigen. Im weltoffenen Tübingen darf Rassismus keinen Raum bekommen.

Ein zentraler Aspekt der Arbeit des IR ist die politische Teilhabe. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte dürfen nicht nur Objekte politischer Debatten, sondern müssen selbst Akteur_innen sein, die ihre eigenen Anliegen einbringen. Besonders Herausfordernd ist dies, da viele kein Wahlrecht besitzen. Der Rat setzt sich dafür ein, alternative Partizipationsmöglichkeiten zu schaffen und fordert seit Jahren ein kommunales Wahlrecht für alle.

Seit seiner Gründung hat der IR zahlreiche Veranstaltungen und Projekte initiiert, die zur Förderung der Integration und zum interkulturellen Austausch beigetragen haben. Es wurden Podiumsdiskussionen zur OB-Wahl, sowie zur Kommunalwahl 2024 organisiert. Es fanden mehrere Filmabende, Lesungen mit Diskussionen statt. Mit „Die Songs of Gastarbeiter“ wurde die Geschichte der Gastarbeiter_innen anhand ihrer Musik vorgestellt. Im März 2024 wurde ein solidarischer Benefizabend für die Opfer des Erdbebens in der Türkei und in Syrien organisiert.

Am Freitag um 19 Uhr wird der Film “El son de la Democracia/So klingt Demokratie“ mit anschließender Diskussion mit der Regisseurin Amalia Jimenez Lorenzo im Club Voltaire gezeigt.

Die Förderung von Vielfalt, die Bekämpfung von Diskriminierung und die Stärkung der politischen Teilhabe bleiben weiterhin Kernziele des neuen Rates. Integration gelingt nur gemeinsam – durch Offenheit, Dialog und die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Der Integrationsrat wird auch in Zukunft dafür einstehen, dass Tübingen eine Stadt bleibt, die Vielfalt lebt und aktiv fördert.

Mehr Infos auf www.ir-tuebingen.de

Cevat Tipieser (Integrationsrat)

Tagblatt – Mittwochspalte (18.12.2024)

Tagblatt – Mittwochspalte: „Geschichte, die fehlt“ (18.12.2024)

Deniz-O. Tekin

Vor wenigen Wochen habe ich meinen Neffen zu Grabe getragen. Er starb viel zu früh, in einer Zeit, in der das Leben normalerweise noch von Träumen und Plänen erfüllt sein sollte.

Arbeitsmigranten der 60/70er-Jahre sowie ihre Nachfahren werden nach ihrem Tod üblicherweise in die alte Heimat überführt – in die Dörfer und Städte Anatoliens oder Südeuropas, wo ihre Wurzeln liegen. Ich hatte eine ähnliche Diskussion bei meinem Neffen erwartet, doch diese blieb aus. Seine Eltern stellten direkt klar: Er wird hier beerdigt, in seiner Geburtsstadt – in unserem Stadtteil: Lustnau.

Mein Neffe steht für einen stillen, aber bedeutsamen Wandel. Er verbrachte sein Leben hier, und nun bleibt er auch nach seinem Tod hier. Sein Großvater, der nie eine Diskussion zuließ und stets betonte, dass sein Platz nach dem Tod in „seinem“ Dorf in Anatolien sei, sagte nach der Beerdigung leise, aber bestimmt: „Mein Platz ist hier, bei meinem Enkel.“ Diese Aussage zeigt, wie tief die Wurzeln auch hier gewachsen sind. Menschen wie mein Vater, die einst nur für wenige Jahre als „Gastarbeiter“ kamen, haben hier gelebt und gearbeitet. Sie haben Kinder großgezogen, Träume verwirklicht und sind zu einem Teil der Gesellschaft geworden. Sie haben gelernt, dass Heimat nicht nur ein Ort ist, sondern auch das Leben, das wir an einem Ort aufbauen.

In Tübingen wird diese Realität längst sichtbar. Unsere Friedhöfe erzählen davon. Es ist ein leiser, aber eindringlicher Ausdruck des Lebens der Arbeitsmigranten, die diese Stadt geprägt haben. Doch das reicht nicht! Es wird höchste Zeit, dass auch ihre Vergangenheit offiziell zur Stadtgeschichte wird. Wir brauchen Orte des Erinnerns. Museen und Archive sollten die Geschichten dieser Menschen bewahren – ihre Ankunft in Deutschland, ihre Kämpfe, ihre Erfolge und ihre Spuren. Warum gibt es noch keine Ausstellung, die diese Geschichten würdigt? Warum sind sie nicht Teil der Erzählung über Tübingen, wie sie in Schulbüchern oder Stadtführungen vermittelt wird?

Mein Neffe ist nun Teil dieser Stadt, für immer. Seine Geschichte, unsere Geschichte, gehört dazu. Sie ist Tübingen, sie ist Deutschland. Und sie verdient einen Platz in der Erinnerungskultur – nicht nur auf den Friedhöfen, sondern auch in den Köpfen und Herzen der Menschen. Es ist an der Zeit, darüber zu reden. Erinnern bedeutet auch, anzuerkennen, was war, und daraus eine Brücke für die Zukunft zu schlagen.

Deniz-Osman Tekin (Integrationsrat)

Impulsvortrag mit Workshops am 28.09.2024: Gemeinsam stark – Diskriminierung offen ansprechen.

Interkulturelle Woche 2024 – Impulsvortrag mit anschließenden Workshops: Gemeinsam stark – Diskriminierung offen ansprechen

Eine Veranstaltung des Integrationsrats Tübingen in Kooperation mit dem Tübinger Jugendgemeinderat:

Wann: 28. September 2024
Wo: Brückenhaus, Werkstraße 7, 72072 Tübingen

Impulsvortrag zum Thema Antidiskriminierung mit anschließenden Workshops.
– Workshop 1: Wann und wo findet Diskriminierung statt, mit der Möglichkeit selbsterfahrenes einzubringen.
– Workshop 2: Anhand von Fallbeispielen besteht die Möglichkeit in Rollen zu schlüpfen.
Anschließend: Reflexion und Auswertung im Plenum.

Anmeldung bis zum 20.09.2024 bei integrationsrat@tuebingen.de (bis max. 30 Pers).

Hier gibt es das Programm zur Interkulturellen Woche 2024.

Eintritt frei

Tagblatt – Mittwochspalte (17.07.2024)

Tagblatt – Mittwochspalte (17.07.2024)

Cristina Popescu

Der Sport als Spiegel einer Gesellschaft

Selten war eine EM so politisch geladen wie die aus diesem Jahr: Lieder mit ausländerfeindlichen Parolen wurden gesungen, Gesten mit politischer Symbolik wurden gemacht, Spieler wurden angepfiffen, nur weil sie zu einer bestimmten Mannschaft gehörten – um nur einige Beispiele zu nennen. Solche Ereignisse spiegeln eine beunruhigende Entwicklung wider. Diejenigen, die ein solches Verhalten relativieren oder gar entschuldigen, vergessen, dass in Zeiten, in denen solche Vorfälle zunehmen, es umso wichtiger ist, sich daran zu erinnern, wofür Sport wirklich steht: Teamgeist, Zusammenarbeit, Leistung und Fairness. Dies ist nicht nur ein Ideal, das im Sport gilt, sondern ein Leitsatz, der auf viele andere Lebensbereiche übertragen werden kann und sollte.

Es sollte doch nicht zählen, woher man kommt, sondern was man leistet. Doch in den letzten Wochen wurde immer klarer, dass wir uns weniger auf ein faires Spiel konzentrierten und mehr auf ein „wir gegen ihr“. Es gibt sogar manche, die der Meinung sind, dass die Mannschaften deren jeweiligen Ländern eigentlich nicht vertreten, weil sie so bunt sind. Doch solche Ansichten sind nicht im Sinne einer vielfältigen Gesellschaft, sondern schlichtweg intolerant und ethnozentrisch. Statt uns an den kulturellen Konstellationen der einzelnen Mannschaften zu stoßen, sollten wir an die Werte, die im Sport vermittelt werden – Respekt, Fairness – erinnern, denn die stärken unsere Gesellschaft.

In einer Welt, die zunehmend von Konflikten und Spaltungen geprägt ist, hätte diese EM uns eine Chance gegeben, wieder ein Gefühl der Gemeinschaft und des gegenseitigen Respekts zu spüren. Inwiefern das möglich war oder passiert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Da es von Bedeutung ist, sich zu engagieren, insbesondere in Zeiten der gesellschaftlichen Spaltung, und falls man sich für Integration interessiert und aktiv mitwirken möchte, um eine inklusive Gemeinschaft zu gestalten, hat man die Möglichkeit, sich bis zum 28. Juli 2024 für den Integrationsrat zu bewerben.

Cristina Popescu (Integrationsrat)